Kirchenmusik        

Dr. Henning Vent

spielt seit er 16 Jahre alt ist in unserer Kirche die Orgel. Anlässlich seines 50. "Orgeljubiläums" wurde er 2014 für unseren Gemeindebrief interviewt.

Lieber Henning, wir feiern Dein fünfzigstes Orgeljubiläum. Wie alt warst Du, als Du angefangen hast, in der Gemeinde die Orgel zu spielen, und wie kam es dazu?
Ich habe mit etwa fünf Jahren angefangen Klavier zu spielen. Unter anderen mein Vater und mein Großvater mütterlicherseits haben mir das Klavierspielen beigebracht. Auch meine Mutter spielte Klavier - und leidenschaftlich Schifferklavier - und hörte dauernd zu, ob wir genug übten und auch mit Gefühl die Lieder spielten. 1961 zogen wir für 2 Jahre nach Beirut und besuchten die deutsche Auslandskirche, und ich den Konfirmationsunterricht.  Der dortige Pastor, Gustav-Adolf Kriener, ließ mich samstags auf der Orgel üben. Und nach der Konfirmation, 1962, also mit 14 Jahren, auch im Gottesdienst die Lieder begleiten. Vorspiel und Nachspiel konnte ich noch nicht – die spielte er. Teilweise brachte er mir das Spielen bei und zum Teil habe ich es mir selbst angeeignet. Nach Washington zurückgekehrt habe ich ab 1963 ab und zu in der Pilgrim Church als Stellvertreter, und Ostern oder Pfingsten 1964 das erste Mal im deutschsprachigen Gottesdienst gespielt.


Damals gab es ja unsere Gemeinde noch nicht, was war das für ein Gottesdienst?

Der damalige Pfarrer in der Pilgrim Church, Dr. Martin Poch, sprach Deutsch. Und der hielt die ersten deutschen Gottesdienste dort, 2-3 Mal im Jahr. Ich habe aber auch ab und zu in den Gottesdiensten von Pfarrer Steinschneider, ein französischer Hugenotte, gespielt, der deutsche Gottesdienste in der St. Johnskirche am Lafayette Square abhielt. Dann kam Militärpfarrer Preilipper, ab 1969, da habe ich so einmal im Monat auf der Orgelbank gesessen, und schließlich kam OKR Dr. Bofinger zu uns, 1973/74, der hielt mehrmals im Monat deutsche Gottesdienste, die ich dann an der Orgel begleitet habe. Pastor Bofinger war es schließlich auch, der mich 1975, nach Ende meines Jurastudiums, nach Nürtingen schickte. Dort hatte ich einen Monat lang bei einem Kirchenmusikdirektor Böbel konsequenten Orgelunterricht. Und schöne Albwanderungen habe ich dort auch gemacht. Ich habe außerdem ein Chorleiterseminar in Ludwigsburg besucht, wo zufälligerweise eine meiner Großtanten lebte.  Im Übrigen war ich zwischen 1972-1975 zu Beginn meines Jurastudiums in Baltimore als Organist in der Pilgrim Church angestellt.

1983 kam Pastor Bernhard Wrede. Als er in der National Cathedral eingeführt wurde, habe ich dort die Orgel spielen können. Das ist ein wunderbares Instrument mit vier Manualen und elektronischen Schaltern, mit denen man einen mehr englischen, französischen oder deutschen Klang einstellen kann. Ein super-tolles lautes Trompetenregister hat es auch noch. Ich konnte dort bereits mehrfach spielen, ehe die Gemeinde mit ihrem Karfreitagsgottesdienst in die Bethlehemkapelle zog.

Wie ist es, die Orgel in der Pilgrim Church zu spielen?

Das ist auch eine sehr gute Orgel, wenn auch viel kleiner. Von 1965 bis 1980 ging es in der Pilgrim-Gemeinde hin und her, ob man eine neue Orgel kaufen sollte oder nicht. Da habe ich mich sehr engagiert. Das alte Instrument war recht klein, versteckt, und versagte manchmal. Aber immer war etwas anderes dringender. Schließlich hat man 1979 für 111.000 Dollar eine Orgel der ehemals ostdeutschen Firma Rieger aus Österreich gekauft. Die Pilgrim Church bezahlte das meiste davon, aber die deutsche Gemeinde unterstützte die neue Orgel mit einem zehnprozentigen Zuschuss. Heute würde man ein Vielfaches dafür bezahlen! Es gibt einen Zwilling von ihr in Baltimore und auch ein paar andere Orgeln von Rieger hier in der Nähe. Charakteristisch ist an ihr, dass sie diese zentrale Position und eine direkte Verbindung zwischen Tastatur und Pfeifen hat. Jeder Organist der aus Deutschland zu Besuch kommt, lobt den Klang und den Umfang der Orgel.


Wie kommt es, dass Du nicht nur Orgel spielst, sondern auch viel über Orgeln weißt?

Ich habe schon immer viel über die ‚Königin der Instrumente‘ gelesen und Schallplatten bzw. CDs über die Unterschiede der Manufaktur und Registrierung gehört.  Und dieses Prinzip hatte ich schon in Beirut kennengelernt. Es ist ein anderes als zum Beispiel französische Orgeln haben. Kurioserweise habe ich, als ich ein wenig Ahnenforschung betrieben habe, festgestellt, dass ich väterlicherseits von Organisten und Orgelbauern in Schleswig abstamme. 1666 gab es unter meinen Vorfahren beispielsweise einen Schreiner, der auch Zunftmeister war und dessen Sohn nach Norwegen und Holland gegangen war und als er zurückkam, Orgelpfeifen reparierte. In vielen Orgeln in der Gegend von Schleswig, Rendsburg, Flensburg und Niebüll, hat er Orgelreparaturen ausgeführt, auch in Dänemark.

Bis ca. 1900 gab es unter meinen Vorfahren in der väterlichen Linie viele, die als Orgelreparateure oder Organisten tätig waren. In Satrup (Angeln) z.B. steht ein Grabstein eines Vorfahren, Alexander Vent (gestorben 1763), der Organist war. Und dessen Ururenkel Balster Friedrich Wilhelm Vent, mein Urgrossvater, wanderte schließlich 1862 in die USA aus.
 

Was spielst Du besonders gerne? Welche Zeit magst Du, hast Du Lieblingskomponisten?

Klar mag ich gerne J.S. Bach. Johann Gottfried Walther, ein Cousin zweiten Grades von Bach, der in Weimar Stadtorganist war, finde ich sehr gut. Ich spiele auch gerne Buxtehude und Stücke von Johann Ludwig Krebs. Vor allem spiele ich gerne mit anderen zusammen. Und ich mag Schlager aus den  ´50er und ´60er Jahren – die spiele ich natürlich auf dem Klavier. Und Blues mag ich auch sehr.

Wo würdest Du gerne mal die Orgel spielen?

In St. Nikolai in Flensburg. Das ist eine sehr schöne Kirche in Backsteingotik mit einer wundervollen Renaissanceorgel. Ich habe sie schon mal gespielt, aber ich würde gerne noch einmal hin. Vorfahren von mir sind dort getraut und getauft worden, aus der Holst- und Valentiner-Linien, Handelsfamilien in Flensburg mit der die Vent-Linie durch Heirat verbunden war.

Dann hat mich die französische Kirche auf dem Ölberg als Konfirmand beeindruckt. Da würde ich auch gerne mal orgeln, das habe ich noch nicht gemacht. Aber ich bin ganz glücklich und sehr dankbar für die vielen Jahre, in denen ich in der deutschen Gemeinde in all ihren Gottesdiensten, sei es Taufgottesdienste oder Konfirmationen, Trauungen oder Trauerfeiern, Feste, Konvokationen oder an ganz normalen Sonntagen gespielt habe. Dieser Dienst durch Musik hat mich immer wieder in guten Kontakt mit Gottes Wort gebracht, und ich schätze die tolle Zusammenarbeit mit wunderbaren Menschen und „seeligen Pfarrern“. Für mich ist das ein sehr nötiger Ausgleich zum alltäglichen Berufsleben.

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